Liebe Freunde des ProVital, liebe Mitglieder und Partner,

das ProVital in Münster wird schließen. Zeitpunkt und Umstände der Schließung sind sehr unglücklich, zu verhindern ist der Prozess aber nicht. In den letzten Tagen erreichen mich E-Mails und Anrufe mit besorgten Nachfragen und dem Wunsch nach Informationen. Ich komme dieser Bitte natürlich gerne nach, auch wenn ich an manchen Stellen selber noch nicht genau weiss, wie es konkret weitergeht.

Der Hintergrund der Schließung ist schnell erzählt:

Unser Pachtvertrag läuft zum 31.12. 2022 aus und kann nicht verlängert werden. Wir sind innerstädtisch gelegen, haben 30 kostenfreie Parkplätze vor der Tür, nutzen 3000 qm auf drei Ebenen und etlichen Anbauten und Hallen. Flapsig gesagt: Mit einem Parkplatz können Sie an dieser Stelle wahrscheinlich mehr Geld verdienen als mit einem Fitness-Studio. Deshalb wissen wir schon sehr lange, dass Ende 2022 Schluss ist. Jetzt kommt Corona dazu und ein regelgerechter Dauerbetrieb macht aus verschiedenen Gründen keinen Sinn mehr.

Die zentrale Frage für uns ist jetzt, wie sich die Schließung vollziehen wird: Können wir vorher noch mal öffnen? Sollten wir dann noch Beiträge abbuchen? Welche Angebote können wir unseren Mitgliedern machen? Welche Perspektiven den Mitarbeitern? Wie wollen wir uns verabschieden? Was können wir überhaupt noch leisten?

Bei all diesen Fragen bitten wir noch um etwas Geduld; die letzte Etappe des ProVital Münster hat gerade erst begonnen. Die kommenden Wochen sind ganz bestimmt geprägt von Angeboten, Aktion, Ideen und Projekten. Für Kunden, Mitarbeiter und Partner. Längst ist noch nicht alles spruchreif, viel hängt davon ab, wann wir wieder öffnen können.

Ein Aspekt ist mir aber jetzt schon wichtig: auch wenn unser Ende blöd ist, unsere Geschichte ist es nicht. Wir alle gemeinsam haben das ProVital in 31 Jahren zur ersten Adresse für gesunde Fitness in Münster gemacht. Diesen Erfolg kann uns keiner nehmen.

Für mich endet 2021 ein wichtiger Teil meiner unternehmerischen Tätigkeit.

Die Idee, ein Fitness-Studio primär unter dem Motto „Gesundheit und Prävention“ zu betreiben, den gesunden Sport in den Vordergrund zu stellen, war 1990 neu. Sie zündete. Nicht zuletzt wegen der Qualität unserer Mitarbeiter und Angebote boomte das ProVital in den neunziger Jahren; wir waren der Hot-Spot der Szene. Dann kamen die Investoren, die Ketten, die Discounter mit allen positiven und negativen Folgen. Wer sich heute umblickt, stellt fest: Wo es früher acht Studios gab, gibt es heute vierzig. Große inhabergeführte Studios gibt es kaum noch, die Ketten dominieren im Markt.

Ich bin immer – auch in schwierigen Zeiten – gerne Unternehmer gewesen. Kaum ein Urlaub dauerte länger als sieben Tage, auch heute, mit 69 Jahren, bin ich quasi jeden Tag im Studio. Zusätzlich gebe ich seit 15 Jahren meine Erfahrungen als Unternehmenscoach weiter. Als Referent für Kommunikation, Team-Building und Change-Management versuche ich anderen zu vermitteln, was bei uns sehr gut funktioniert hat.

Ein ganz zentraler Grund dafür ist die Treue unserer Mitglieder. Die Mails und Anrufe, die ich in den letzten Tagen erhalte, bestätigen das in sehr emotionaler Weise. Das ProVital ist für viele ein zweites Wohnzimmer, fester Bestandteil der Freizeit, Ort der Begegnung und des Austauschs. Es ist eine echte Institution geworden. Allen Mitgliedern möchte ich danken: Für die Treue zu unserem Haus, zum Verständnis, wenn wieder eine Baustelle da war, es an Parkraum oder Spindschlüssel fehlte.

Jetzt geht es darum, die letzte Etappe des ProVital gemeinsam zu gestalten. Wie vieles zuvor, wird uns auch das gelingen.

Kürzer und besser als die Band Juli kann ich es auch nicht sagen: „Es war ´ne geile Zeit.“

Danke dafür an alle.

Euer Harald Kemmermann