Die Gesamtsituation

Die Corona-Pandemie hat für uns zu der im Grunde paradoxen Situation geführt, dass kaum jemand wegen Corona gekündigt hat, wir aber trotzdem in einem Jahr fast 500 Kunden verloren haben. Denn der normale Mitgliederverlust wegen beruflicher und privater Veränderungen kann seit nun 12 Monaten nicht kompensiert werden. Wir erleben, was viele Vereine, Organisationen und Firmen auch erleben – das Neukundengeschäft liegt brach.

Frühjahr: Der erste Lockdown! Viele Fragen und riesige Erleichterung

Als der erste Lockdown verkündet wurde, gab es so etwas wie eine Schockstarre. Hilflosigkeit beschreibt am besten unser Gefühl. Neben vielen anderen Dingen sorgten wir uns direkt und unmittelbar um unsere Existenz. Es war völlig unklar, ob ein geschlossenes Fitness-Studio Beiträge erheben darf. Es war auch nicht klar, ob ein Fitness Studio Anspruch auf Hilfe haben könnte, wenn es (vielleicht) Beiträge hätte erheben dürfen. Und es war nicht klar, ob ein Studio, das Beiträge erhebt, diese aber gar nicht erhält, trotzdem Hilfe bekommen kann.

Nicht weniger Fragen gab es auf der Mitgliederseite: Darf man seinen Vertrag kündigen, wenn das Fitness Studio wegen einer Pandemie geschlossen ist? Kann man mit den Beiträgen aussetzen? Muss man überhaupt noch Beiträge zahlen, wenn das ProVital geschlossen hat.

Vor allem hatten wir die Sorge, dass unsere Mitglieder in Scharen davonlaufen und ihre Verträge kündigen.

Umso größer war die Erleichterung, als sich im März, April und Mai zeigt, dass kaum jemand wegen Corona seinen Vertrag kündigte. Wir hatten nur die ganz normalen 35 Vertragskündigungen im Monat. Ganz im Gegenteil, eine Welle der Solidarität und Unterstützungsbereitschaft erreichte uns. Wir waren stolz, motiviert und guter Dinge für den Sommer.

Sommer: Neue Regeln für wenig Kunden

Im Sommer offenbarte sich langsam, aber sicher, die zweite Dimension von Corona: Zwar hat im Prinzip niemand wegen Corona gekündigt, aber es hat auch kaum jemand einen neuen Vertrag geschlossen. Unsicherheit, die strengen Kontaktregeln, die Jahreszeit – das Neukundengeschäft ruhte. Das war nicht zunächst nicht weiter ungewöhnlich, im Sommer sind die Studios leer, unsere Mitglieder machen draußen Sport. Da der Betrieb ohnehin eingeschränkt anlief und wir viele Anforderungen umsetzen mussten, war es auch nicht weiter tragisch. Es gab genug zu tun. Was blieb, waren die normalen Vertragskündigungen wegen Beruf, Gesundheit oder anderer privater Gründe.

Herbst: Kein Saisonstart und trübe Aussichten

Der Herbst zeigte, dass eine Wiederbelebung des Neukundengeschäfts vorerst ein Wunsch blieb. Die Zahl der Vertragsabschlüsse für neue Mitglieder lag deutlich unter den Normalwerten der Vorjahre. Mit dem zweiten Lockdown im November änderte sich unsere Situation noch einmal grundlegend. Vor dem Hintergrund der unvermeidbaren Schließung Ende 2022 war klar: Jeder Tag, den wir nicht öffnen, ist ein verlorener Tag. Seit Januar haben wir darauf verzichtet, Mitgliedsbeiträge abzubuchen. Die November- und Dezemberhilfen können einen Teil der Verluste ausgleichen, die Überbrückungshilfe III wird einen Teil der Fixkosten decken.

Winter: Konsequenzen unvermeidbar

Die aktuellen Perspektiven mit dem Informationsstand vom 11. März sind ungewiss. Auf der einen Seite rückt die erneute Öffnung näher. Ende März könnte ein realistischer Termin sein. Aber im Moment kann niemand sagen, wie die Kunden sich verhalten. Und man kann auch nicht seriös abschätzen, wie sich die Zahlen entwickeln. Im schlimmsten Fall macht man auf, um nach vier Wochen wieder zu schließen. Für das ProVital Münster ist es auf jeden Fall so, dass eine Rückkehr zu einem regelgerechten Dauerbetrieb nicht möglich ist. Selbst wenn wir die Notbremse jetzt nicht gezogen hätten, hätten die wirtschaftlichen Folgen zu Entlassungen, Umstrukturierungen und Qualitätsverlusten geführt. So ist die Entscheidung zur Schließung vor dem Hintergrund aller Unsicherheiten wahrscheinlich die richtige Lösung. Nutzen wir die verbleibende Zeit, um das Beste daraus zu machen.